Jan & Annegret Herrentals

Sporttauchen bei den Belgischen Streitkräften in Deutschland (BSD)

Sport wurde bei den BSD auch außerhalb der Dienstzeit ausgeübt. Hier ein paar Worte über eine Sportart, die sich von 1960 bis zum Abzug der Belgischen Armee aus Deutschland relativ großer Beliebtheit erfreute.

Anfang 1960 wird Kommandant Rik Voorhelst in den BSD Sportoffizier des 1. BE Corps.

Rik Voorhelst war bereits zertifizierter Taucher beim Tauchverein FROGMEN in Antwerpen, dessen Gründungsmitglied er auch war. FROGMEN war auch einer der ersten Tauchvereine in Belgien.

1963 beschloss Rik Voorhelst in den BSD einen Tauchverein für Freunde dieses Sports zu gründen, die ihn auch außerhalb der Dienstzeiten ausüben wollten.

Der Verein CAS-ESPADON-COA wurde gegründet und dem Sportkreis Weiden eingegliedert, welcher für das Training Zugang zum Militär-Schwimmbad in Ossendorf erhielt. Ihr erster Vorsitzender war Kommandant Jos Van Roy von der belgischen Zahlstelle für die Streitkräfte (PDF).

Rik Voorhelst hatte auf eigenen Wunsch keine Funktion im Vorstand und gab nur Tauchunterricht. Weil es außerhalb der BSD nur Veteranen-Fußball und -Fechten, aber keine nennenswerten belgischen Vereine oder organisierte Sportaktivitäten gab, war für ihn eine Menge Arbeit zu erledigen.

Dass es dann später tiefgreifende Veränderungen gab und zahlreiche Sportvereine aus dem Boden schossen, ist auch und vor allem Rik Voorhelst zu verdanken. Zu den ersten Mitgliedern des Vereins gehörten unter anderem José Houdart vom Militärkrankenhaus Köln, John Geeraers von der 255. Kompanie Hubschrauberwartung, Medard Vergucht und Jos Marrels, beide Militärkrankenhaus Köln sowie Maurice Cloots.

 

 

Foto: Rik Voorhelst

Der Verein CAS-ESPADON-COA war auch Mitglied des belgischen Tauchverbandes BEFOS, welcher seinerseits Mitglied im Weltverband CMAS war.

So wurden die Tauchscheine weltweit anerkannt.Der erste ausgebildete Trainer im Verein war Robert Masquelier, bei dem die Vereinsmitglieder Prüfungen ablegen konnten, der evaluieren und Taucherurkunden ausstellen durfte.

Es blieb nicht bei e i n e m Taucherverein. In Spich wurde MURENA und in Grefrath FLIPPERS gegründet. Später wurden Untersektionen des ESPADON in Blankenheim und Siegen ins Leben gerufen. Später entstanden noch Vereine in Soest, Neheim, Werl, Lüdenscheid und Vogelsang.

Es wurde auch an die Jugend gedacht und so hatte der ESPADON sonntags auch Training für die Jugend.

 

 

Foto: Etienne de Cock

Obwohl die räumlichen Abstände zwischen den verschiedenen Vereinen teilweise erheblich waren, waren die Taucher in der BSD wie eine große Familie und Tauchaktivitäten wurden gemeinsam unternommen. 

So gingen viele Vereine am Wochenende in Köln-Fühlingen, der Rurtalsperre, dem Möhnesee, dem Biggesee, dem Sorpesee und an anderen Orten tauchen. Vor allem die belgischen Steinbrüche La Gombe und Vodelée waren und sind immer noch beliebte Ausflugsziele der Taucher und nicht zu vergessen die Oosterschelde in Zeeland.

Die belgische Armee hat den Betreibern von La gombe tatsächlich ein F-84F Kampfflugzeug geschenkt. Dieses Flugzeug liegt in 20 m Wassertiefe.

siehe film darüber  im internet. 

Jedes Jahr zu Ostern organisierte der Verein ESPADON eine Reise zum Mittelmeer. Jahrelang war La Ciotat nahe Marseille ein Erfolg; ebenso wurden Fahrten nach Agay (St. Raphael) und Estartit (Costa Brava) organisiert. 

Im Jahr 1978 beschloss der Verein einen Urlaubsaufenthalt auf Ventotene, einer Insel, die 40 km vor der Küste zwischen Rom und Neapel liegt, zu organisieren. Da war wohl noch nie ein Taucher gewesen, denn zuvor wurde festgestellt, dass wir alle unsere Geräte mitbringen mussten. Dies war wohlgemerkt nicht nur unsere Tauchausrüstung, sondern auch die Schlauchboote und die Kompressoren, um die Pressluftflaschen zu füllen. Das Tauchen in unberührten Gewässern war ungeheuer schön und beeindruckend. Die Mitglieder des Vereins stießen während eines Tauchgangs auf ein römisches Wrack mit hunderten Amphoren. Doch wegen eines Sturms musste der Tauchgang abgebrochen werden und mittlerweile war es auch an der Zeit nach Hause zurückzukehren. Zu Pfingsten fuhren Bob Masquelier und ich zurück, weil dort ein Boot zurückgelassen wurde, das nicht mit auf die Fähre genommen werden konnte und damals wegen Sturm und rauer See die 40 km nicht aus eigener Kraft bewältigt hätte. Wir blieben dort eine Woche und haben einige mehr als 2000 Jahre alte Amphoren und Anker geborgen und dem Museum in Ventotene übergeben.

 bilder davon sind unter "isola ventotene" auf youtube sehen. 

Aber auch während des Jahresurlaubs schlossen sich die Taucher des BSD zusammen, um mit der Familie auf Tauchreise zu gehen. So waren Frankreich, Palinuro (Süditalien), Sardinien und Spanien wirklich attraktive Ziele. 

So stießen 1981 beispielsweise Taucher auf der Insel Ponza 20 km von Ventotene entfernt auf das Landungsboot USS LST 349, das im Februar 1944 bei einem Sturm auf den Felsen von Ponza gedrückt wurde und dort sank. Das Schiff war mit deutschen Kriegsgefangenen auf dem Weg von Neapel nachAnzio. Die geglückte Rettung und der Untergang des Schiffes wurden damals gefilmt und sind in einem film über ponza, der auch im internet steht, zu sehen. 

Beide Filme wurden damals von mir mit einer Super-8-Kamera aufgenommen und schlummerten mehr als 30 Jahre vor sich hin. Im Jahr 2012 begann ich die Filme zu digitalisieren, auf DVD zu brennen und auf Festplatte zu speichern. Dass die damalige Qualität nicht mit der derzeitigen Technik mithalten kann, versteht sich von selbst, aber die schönen Erinnerungen bleiben. Alle Filme, die ich ins Internet stellte, sind Auszüge aus längeren Filmen von unseren Tauchtouren. 

Über viele Jahre hinweg konnten wir Taucher im BSD und auch später nach unserer Rückkehr nach Belgien einem wunderbaren Hobby nachgehen. In den Vereinen des BSD gab es nie schwere Unfälle. Dies beweist, dass die Ausbildung im BSD zwar militärisch ausgerichtet, aber von sehr hoher Qualität war. Aber all dies wurde erst möglich durch die Tatkraft von Cdt Voorhelst, der jetzt 81 Jahre alt und immer noch erfrischend sportlich ist.

 Jan Herrentals

 

 

Jan Herrentals    herrentals[at]netcologne.de - 02145008210